Konferenz „VORSTELLUNGEN BILDEN“

Vom 6.- 8.10.2016 wird auf der Imaginata eine spannende Konferenz mit sehr interessanten Mitwirkenden und einem reichhaltigen Programm stattfinden.

Mehr Informationen auf der Homepage der Imaginata

Zum Anliegen der Konferenz schreiben Peter Fauser und Gundela Irmert-Müller:

Herausgefordert und eingeladen von Dr. Eva Madelung und Robert Bosch, haben wir uns 1990, also vor einem guten Vierteljahrhundert, aufgemacht, das „imaginative Lernen“ zu erkunden und zu entfalten. Die Bedeutung der Imagination, der Vorstellungskraft, des Vorstellungsdenkens für das menschliche Lernen, für die Kultur und für das Zusammenleben von Menschen ist seitdem eine Hauptquelle und ein Hauptgegenstand unseres pädagogischen Denkens und unserer pädagogischen Arbeit. Diese Arbeit wird von Anbeginn durch eine in Qualität und Beständigkeit einzigartige Weise von der Heidehof Stiftung begleitet und gefördert – damals noch Stiftung für Bildung und Behindertenförderung. Viele Partnerinnen und Partner aus Wissenschaft und Schule, aus Theorie und Praxis und aus den Künsten haben uns über die Jahre begleitet, uns neue Ideen und Sichtweisen eröffnet, mit Impulsen angestoßen, zu selbstkritischem Nachdenken veranlasst und durch all dies sehr bereichert.

Um das fachliche Gelände zu erkunden, veranstalteten wir über die Jahre mehrere Tagungen, Symposien, Konferenzen – jeweils mit VertreterInnen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und Praxisfelder.1995 wurde die IMAGINATA geboren, die sich dieser Aufgabe ganz gestellt hat: im Bereich der naturwissenschaftlichen und Wahrnehmungsphänomene durch den Stationenpark, in vielen anderen Bereichen durch ein Veranstaltungsprogramm, das jährlich zu einem bestimmten Thema komponiert wurde: in Gestalt von Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen, Diskussionen, Kinderveranstaltungen, – immer begleitet von der Frage: Was machen wir mit unseren Vorstellungen, was machen unsere Vorstellungen mit uns? Welche sind immer schon da? Kann man alte durch neue ersetzen?

So wie es in den vergangenen 20 Jahren mehrere „Zwischenlandungen“ gegeben hat, so wollen wir auch mit dieser Tagung  die Reise nicht beenden -, auch wenn dieser Eindruck entstehen könnte, denn wir – Gundela Irmert-Müller und Peter Fauser – werden uns im Laufe des nächsten Jahres aus den verantwortlichen Funktionen in der Imaginata verabschieden. Es entspräche aber so ganz und gar nicht unserem Vorstellungsdenken, aus diesem Anlaß eine „Abschlusstagung“ zu veranstalten. Denn für das Lernen, das Verstehen, die pädagogische Arbeit gibt es keinen Schlusspunkt – erst recht nicht für die Imagination. 2005 haben wir einen der atemberaubenden Sätze unseres Hauspatrons Schiller aus den Briefen über die ästhetische Erziehung zitiert, der dies im unvergleichlich hohen Ton des Idealismus zur Sprache bringt. Sein Enthusiasmus entzündet uns noch immer:

„Auf den Flügeln der Einbildungskraft verläßt der Mensch die engen Schranken der Gegenwart, in welche die bloße Thierheit sich einschließt, um vorwärts nach einer unbeschränkten Zukunft zu streben; aber indem vor seiner schwindelnden Imagination das Unendliche aufgeht, hat sein Herz noch nicht aufgehört im Einzelnen zu leben, und dem Augenblick zu dienen. Mitten in seiner Thierheit überrascht ihn der Trieb zum Absoluten …“

Die Tagung vom 6. bis 8. Oktober 2016 ist also eine weitere „Zwischenlandung“. Ähnlich wie in 2005 wollen wir in diesem Jahr zusammen mit WeggefährtInnen und PartnerInnen darüber beraten, wohin uns der Weg geführt hat und welcher Weg künftig einzuschlagen wäre. Wir fragen: Was bedeutet Imagination in verschiedenen Feldern von Wissenschaft und Praxis? Was haben wir mit unserer Arbeit erreicht, was haben wir gelernt? Was ist aus den damaligen Ansätzen geworden? Gibt es neue Einsichten und Perspektiven über die Rolle des Vorstellungsdenkens? Ist es – im täglichen Sturmwind digitaler Bilder, Ideen, Phantasien, Zugehörigkeitsversprechen – nicht sogar schwieriger und zugleich wichtiger geworden, die Einbildungskraft, unser „letztes Heiligtum“ (Pascal Mercier) zu fördern, zu schützen, zu üben?

Jena im Mai 2016

Prof. Dr. Peter Fauser

Gundela Irmert-Müller

 

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