Lernentwicklung

Entwurf zu Kriterien zum Download als pdf

Veronika Meinunger: Liebe Uta, ich war heute Teilnehmerin in eurem Workshop (gemeint ist der Workshop zum Bildungssymposium in Erfurt am 24.5.2014). Ihr wart drei Referentinnen aus unterschiedlichen Institutionen, wie kam es dazu?

Uta Schramm: Wir haben diesen Workshop zu dritt – Frau Dr. Baumgart, S. Ebert, U. Schramm – angeboten, um dabei unsere unterschiedlichen Hintergründe/Arbeitsfelder (TMBWK, Thillm, Schule und Weiterbildung) und unsere unterschiedlichen Erfahrungen zu verbinden.

Veronika Meinunger: Warum habt ihr speziell am Formulieren der Bemerkungen zur Lernentwicklung gearbeitet?

Uta Schramm: Das Thema der individuellen Lernbegleitung ist immer aktuell. Wir haben die Bemerkungen zur Lernentwicklung in den Mittelpunkt gerückt, um die Erfahrungen der Lehrerinnen und Lehrer mit diesem doch neuen Instrument zu thematisieren. Zum Halbjahr haben alle Lehrerinnen und Lehrer die Einschätzungen zur Lernentwicklung geschrieben und die nächsten Einschätzungen stehen zum Schuljahresende an. Wenn wir daran im Workshop arbeiten, ist es unser Ziel, dass Lehrerinnen und Lehrer durch einen gemeinsamen Austausch Anregungen und Bestätigung bekommen und sich sicherer im Umgang mit diesem Instrument fühlen.

Veronika Meinunger: Ihr habt euch Gedanken über mögliche Kriterien zu lernfördernden Bemerkungen gemacht. Wie sehen die aus? Welche Hilfe geben sie?

Uta Schramm: Zu den Bemerkungen gehören ja die Einschätzung zur Lernentwicklung und die individuellen Lernziele und Maßnahmen. Für diese haben wir Kriterien gesucht. Dabei geben Kriterien/Standards auf der einen Seite Sicherheit, auf der anderen Seite bergen sie aber auch die Gefahr der Verallgemeinerung auf Kosten einer individuellen Rückmeldung in sich. Dessen sind wir uns bewusst und können und wollen daher keine Textbausteine anbieten, wie sie auf diversen Internetseiten oder in Publikationen zu finden sind. Solche Textbausteine führen meist zu einer Verallgemeinerung/Pauschalisierung. Wir haben stattdessen nach Kriterien gesucht, die einen Rahmen setzen und dabei individuelle Freiräume lassen. Lehrerinnen und Lehrer können mit Hilfe der Kriterien ihre Einschätzungen zur Lernentwicklung schreiben und/oder sie kritisch hinterfragen.

Veronika Meinunger: In der Übung mit den Kolleginnen und Kollegen habt ihr vorwiegend mit Fragen gearbeitet, aus welchem Grund bieten sich Fragen an?

Uta Schramm: Wir probieren seit längerer Zeit verschiedene Formulierungen von Kriterien aus. Für das Formulieren von Zielen kennt, glaube ich, jeder den Begriff der SMARTen Ziele. Wir verwenden diesen Begriff heute automatisch, aber wofür steht er? Was bedeutet es, wenn wir von S = spezifischen Zielen sprechen? In der Arbeit an Kriterien ist uns bewusst geworden, dass viele Kriterien nicht eindeutig sind. Deshalb der Weg, Kriterien mit Hilfe von Entscheidungsfragen zu formulieren. Diese können unseres Erachtens eindeutig beantwortet werden.
Wir laden jede Lehrerin, jeden Lehrer ein, es auszuprobieren und uns ihre Erfahrungen zu schicken. So können wir im Austausch immer professioneller werden.

Veronika Meinunger: Warum haltet ihr es für notwendig, diese Fragen im Gespräch mit dem Schüler noch einmal zu konkretisieren?

Uta Schramm: Beziehst du dich auf die Frage, ob es die Ziele des Schülers sind? Dafür kann ich als äußeres Merkmal vielleicht darauf schauen, ob die Ziele in der Ich-Form formuliert sind. Aber auch das ist kein Garant dafür, dass es wirklich die Ziele des Schülers sind. Das erfahre ich nur in einem persönlichen Gespräch. In diesem kann herausgearbeitet werden, warum dieses Ziel für den Schüler bedeutsam ist und worin es genau besteht. Einen anderen Weg sehen wir nicht.
Das gleiche gilt auch für die Maßnahmen. Ob diese das individuelle Leistungsvermögen des Schülers beachten, kann ich in ihrem Wortlaut per se nicht erkennen. Das weiß ich zum einen aus der Lernbegleitung des Schülers, welche auch Beobachtung und Diagnose und Gespräche mit dem Schüler umfasst, zum anderen aus dem Austausch mit anderen Lehrern und nicht zuletzt sind die Gespräche zur Lernentwicklung geeignet, um mit dem Schüler und den Personensorgeberechtigten darüber ins Gespräch zu kommen.
Du siehst, immer, wenn die individuelle Komponente ins Spiel kommt, wird es sehr individuell :-).

Veronika Meinunger: Vielen Dank! Das war für mich ein sehr interessanter und gewinnbringender Workshop! Kann man die Fragen, die ihr als Kriterien formuliert habt, bekommen?

Uta Schramm: Aber sehr gern (pdf zum Download) Wir freuen uns über Rückmeldungen dazu an diese Mailadresse.